GundermannAb ungefähr April findet man z.B. in Wäldern meist am Wegrand das unscheinbare Gundermann-Kraut. Mit den blau-lila Blüten sieht der Gundermann flüchtig betrachtet etwas aus wie Taubnesseln.

Ich habe selber eine ganze Weile gebraucht, um die typische Blattform mit den Blüten sicher zu erkennen. Der Gundermann wird auch Gundelrebe oder Soldatenpetersilie genannt. Im zeitigen Frühjahr treibt der Gundermann frische ca. 30 cm lange Triebe, die oft kerzengerade eng in Gruppen oder als ganzer Teppich stehen. Später im Jahr wachsen rebenartige Triebe. Der Gundermann fängt an zu ranken. In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen bilden sich Blattpaare aus, die dann bewurzeln und neue Pflanzen bilden.

Gundermann

Die Blätter sind herzförmig mit stumpf gezähntem bzw. gekerbtem Rand. Manchmal sind die Blattränder auch dunkelrötlich angefärbt. Die Blüten wachsen an den Blattachseln. Wenn man einmal zweifelsfrei Gundermann gefunden hat, sollte man ein Blatt zwischen den Fingern reiben und daran riechen. Es hat einen typischen würzigen Geruch, den man sich gut merken kann.

Der Gundermann ist wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung sehr wertvoll. Man kann ihn zur Unterstützung bei der Wundheilung verwenden ("Gund" = aus dem Althochdeutschen für Eiter). Das kann mittels einer Creme oder Salbe erfolgen. Man kann auch eine Kompresse auf die Wunde legen oder die wunden bzw. entzündeten Hautstellen in einem Aufguß baden. Bei einer starken Erkältung kann man Gundermann-Tinktur benutzen oder einen heißen Tee aufbrühen.

Die Wirkung des Heilkrautes sollte man ausprobieren und schauen, wie es bei einem wirkt. Ich persönlich fertige mir für rauhe Hände bzw. Handverletzungen Gundermann-Salbe und habe für Erkältungen Gundermann-Tinktur und Tee im Schank. 

 

Trocknen für Tee

  1. Das Kraut kann man nach regnerischem Wetter sammeln, wenn es sauber gewaschen und wieder abgetrocknet ist.
  2. Die Stengel abschneiden. Bitte nur vereinzelt "Büschel" ernten, damit die Flächen nicht kahlrasiert sind.
  3. Zu Hause die Stengel flach im Schatten, z.B. auf einem Gitter, zum Trocknen ausbreiten.
  4. Nach ein paar Tagen ist die Pflanze getrocknet. Man kann sie nun leicht zerkleinern und in einer Dose aufbewahren.

 

Gundermann-Salbe

  1. Man zupft die Blätter von den Stängeln, bis man ca. 2 Handvoll hat und gibt sie in einen Topf.
  2. Darauf werden ca. 120 ml Pflanzenöl gegossen und 10 g Lanolin anhydrid. Letzteres bekommt man im Versandhandel oder Reformhaus. Auch bekannt als Wollwachs. Es dient der Aufnahme von wasserlöslichen Bestandteilen.
  3. Diese Zutaten müssen 30 min ganz leicht köcheln bei kontrollierten 104 Grad. Da sich das Öl stärker erhitzen wird, benötigt man zur ständigen Kontrolle ein Backofenthermometer. (z.B. ein Brateneinstichthermometer)
  4. Das Öl wird anschließend durch ein Haarsieb oder Teesieb abgegossen. Es sollte ein klares grünes Öl ergeben.
  5. In dieses Öl gibt man nun ca. 10 g Bienenwachs (ebenfalls im Versandhandel oder Reformhaus oft als Beutel mit Wachstropfen).
  6. Falls das Öl nicht mehr heiß genug ist, damit die Wachstropfen schmelzen, stellt man das Auffanggefäß in ein Wasserbad.
  7. Anschließend kann man das Öl direkt in Salbendöschen oder kleine Marmeladenschraubgläser gießen und abkühlen lassen.

Beim Erkalten erhält es die Salbenkonsistenz. Wenn man nur ca. 5 g Bienenwachs nimmt, erhält man eine sehr weiche fast noch flüssige Masse. Will man wie ich eher eine dicke Salbe haben, dann 10 g.

Mit dieser Salbe kann man rauhe, wunde oder entzündete Hautstellen einreiben und den Heilungsprozess unterstützen. Ich benutze sie nach der Gartenarbeit, damit die ramponierten Hände schnell wieder frisch aussehen. wink

 

Gundermann-Tinktur

  1. Für die Tinktur zupft man ca. zwei Handvoll Gundermannblätter von den Stängeln und gibt sie in ein Marmeladenglas mit Schraubdeckel.
  2. Die Blätter werden mit 200 bis 250 ml Doppelkorn aufgegossen, so dass sie bedeckt sind.
  3. Deckel darauf schrauben und 4 Wochen stehen lassen. Täglich schütteln.
  4. Anschließend die Flüssigkeit durch einen Kaffee- oder Teefilter geben, so dass man die klare Tinktur erhält.
  5. Die Flüssigkeit in kleine Schraubfläschchen abfüllen und kühl lagern.

Die Tinktur kann man bei schwereren Erkältungen bzw. Husten nehmen. Ca. 1 TL davon. 

Bei Erkältungen lässt sich das gut kombinieren mit Lindenblütentee (schweißtreibend, ab ins Bett und Schwitzen) und Hustentee, z.B. aus Spitzwegerich, Huflattich und Gänsefingerkraut (halsschmerzlindernd, hustenlindernd).